Wie eine Flötenlehrerin zur mächtigsten Kritikerin von CETA wurde

Auf den kommenden Mittwoch, 12. Oktober 2016, hat Marianne Grimmenstein seit über zwei Jahren hingearbeitet: Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe verhandelt über ihre Klage gegen CETA, das umstrittene transatlantische Freihandelsabkommen zwischen Europa und Kanada. 68.058 Menschen sind ihrer Bürgerklage beigetreten, 250.000 sollen bis Mittwoch ihre Change-Kampagne gezeichnet haben - sind Sie schon dabei?

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 9. Oktober schreibt über Frau Grimmenstein:

Musik ist ihr Beruf, der Kampf gegen Freihandel ihre Berufung: Flötenlehrerin Marianne Grimmenstein-Balas, geboren und aufgewachsen in Budapest, lebt seit knapp 40 Jahren in Deutschland. Sie hat als erste vor dem Bundesverfassungsgericht gegen das Freihandelsabkommen Ceta geklagt. Tausende Bürger, mehrere Nichtregierungsorganisationen und die Links-Fraktionen sind ihr gefolgt.
— aus „Kann diese Flötenlehrerin den Freihandel stoppen, Gespräch mit Corinna Budras, FAS 9.10.2016

Sie selbst erklärt in dem Interview, was sie über zwei Jahre motiviert hat:

Wenn Gier und Konsum im Mittelpunkt stehen, erwächst daraus keine humane Gesellschaft, sondern das Gegenteil: Wir entsolidarisieren uns. Unsere Erde ist in einem katastrophalen Zustand.
— Marianne Grimmenstein im FAS-Interview zur Frage, was sich durch ihre Bürgerklage verbessern soll

Was bisher geschah:

Gleißender Sonnenschein fällt auf den Vorplatz des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe. Es ist Samstag, der 27. August. Im Schritttempo fährt ein Kombi vor - vom Beifahrersitz winkt Marianne Grimmenstein. Die 70-jährige „Protest-Gallionsfigur” (Stern) „[o]ut of Lüdenscheid" (Welt) hat heute Großes vor: Sie reicht die größte Bürgerklage einer Privatperson jemals in Deutschland an das Bundesverfassungsgericht ein.

Fotos von der Einreichung der Vollmachten am 27.08. in Karlsruhe. Quelle: Markus Lehr


68.058 steht auf dem Plakat, welches die Musiklehrerin mitgebracht hat. Das ist die finale Zahl ihrer Mitklägerinnen und Mitkläger. Mithilfe ihrer Petition auf Change.org hat sie Schritt für Schritt ihre Verfassungsbeschwerde ins Rollen gebracht: Über 245.000 Menschen zeichnen online und bleiben so auf dem Laufenden, 68.058 Menschen beteiligten sich formal an der Bürgerklage. Schier riesige Zahlen.

Wie war es einer Privatperson überhaupt möglich, einen solch lautstarken Protest zu organisieren?

Die Frau mit dem ansteckenden Lachen: Marianne Grimmenstein aus Lüdenscheid

Marianne Grimmenstein hat ein ganz besonderes Lachen - eine hohes Glucksen, ein wenig schelmisch.

Ich bin ein freies Elektron. Demokratische Prinzipien, die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürger, Einblicke in das Handeln der Mächtigen - all das sind Grundpfeiler, die meine Familie mir mitgegeben hat.
— Petitionsstarterin und Klageführerin Marianne Grimmenstein

Sie verfolgte die Verhandlungen zu CETA und TTIP von Anfang an, informierte sich über die Nachrichten und die Informationsseiten der Europäischen Kommission. Schon bald stand für sie fest: CETA fehlt es an Transparenz. Frau Grimmenstein plante früh, vor dem Bundesverfassungsgericht gegen einen solchen Vertrag zu klagen. Sie ist fest entschlossen. 

Allein einen solchen Protest zu stemmen ist jedoch schwer - sie musste eine Community von Menschen aufbauen, die sie unterstützen. Und einen renommierten Rechtsbeistand finden, der sie vertritt.

Chronik des CETA-Protests

14.10.2014 - Marianne Grimmenstein startet ihre Petition auf Change.org: „Bürgerklage gegen CETA”, erster Artikel in der taz

27.10.2014 - Petition erreicht 30.000 Zeichner

14.01.2015 -  Start des Crowdfundings für Finanzierung der Bürgerklage. Ziel: 14.000 Euro

Screenshot Crowdfunding der CETA-Bürgerklage über Indigogo

14.01.2015 - Start der Bürgerklage unter Federführung des renommierten Rechtsprofessors Andreas Fisahn (Universität Bielefeld), alle Bürgerinnen und Bürger können der Klage kostenlos beitreten. Sie müssen dazu eine Vollmacht aus dem Petitionstext herunterladen (via pdf), ausfüllen und per Post an Frau Grimmenstein schicken.

29.01.2015 - Crowdfunding ist nach 2 Wochen erfolgreich, 2.000 Menschen treten der Klage formal bei

25.02.2015 - 10.000 Menschen treten der Bürgerklage formal bei

10.10.2015 - 100.000 Menschen zeichnen Petition auf Change.org

19.10.2015 - 20.000 Menschen treten der Bürgerklage formal bei

21.02.2016 - Reportage zur Bürgerklage erscheint im Spiegel: “Volkes Wille 2.0”

40.000 Menschen treten der Bürgerklage formal bei - sie ist zum damaligen Zeitpunkt die größte Bürgerklage Deutschlands jemals

Screenshot: Frau Grimmenstein im Portrait im Spiegel: https://magazin.spiegel.de/SP/2016/8/143231594/index.html

24.02.2016 - großes Medienecho, Süddeutsche Zeitung: „Diese Musiklehrerin könnte das Freihandelsabkommen CETA stoppen”

31.03.2016 - Statement von Prof. Fisahn zur vorläufigen Anwendung von CETA

Der Rat der EU kann beschließen, dass völkerrechtliche Verträge vorläufig anwendbar sind. Vor der formellen Annahme durch das Parlament und der Ratifizierung, werden die vereinbarten Regeln schon angewendet. In der Bundesrepublik gibt es kein vergleichbares Verfahren: Regeln gelten erst, wenn das Parlament zugestimmt hat. Es gibt nun eine „vorläufige Tagesordnung“ für die Ratssitzung am 13 Mai 2016. Dort soll ein Beschluss über die “vorläufige Anwendbarkeit” von CETA gefasst werden. Daneben gibt es viele widersprüchliche Informationen darüber, wann, ob und wie über CETA beschlossen wird. Wir sind der Auffassung, dass die Bundesregierung gegen das GG verstoßen würde, wenn sie der vorläufigen Anwendbarkeit zustimmt. Deshalb erscheint dies als richtiger Zeitpunkt, um beim Bundesverfassungsgericht den Antrag zu stellen, die Zustimmung der Bundesregierung zur vorläufigen Anwendung zu untersagen. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass es sich nur um eine vorläufige Tagesordnung handelt, die also noch geändert werden kann, so dass sich der Termin verschieben könnte.
— Prof. Fisahn

20.05.2016 - 200.000 Menschen zeichnen Petition auf Change.org

26.05.2016 - Bürgerklage erreicht über 65.000 Mitzeichnerinnen und Mitzeichner

Entwicklung von Unterschriften und Klagevollmachten im Zeitverlauf

27.08.2016 - 68.058 Vollmachten werden beim Verfassungsgericht in Karlsruhe eingereicht, Roadtrip von Lüdenscheid nach Karlsruhe

Screenshot: Roadtrip von Lüdenscheid nach Karlsruhe

Flink wie der Wind: Ankunft in Karlsruhe am 27.8.: Pressevertreter/innen und Unterstützer/innen warteten schon Quelle: Markus Lehr

Was können engagierte Menschen von Frau Grimmenstein lernen?

Frau Grimmenstein nutzt machtvolle Online-Instrumente, um etwas zu tun, was in der Vergangenheit nur großen Organisationen vorbehalten war: Sie vereint hunderttausend Mitstreiterinnen und Mitstreiter hinter einem Anliegen, schafft Aufmerksamkeit, sammelt Geld und klagt gemeinsam mit ihnen. Dies zeigt das Potential von Petitionen auf Change.org als Schnittstelle für die Organisation sozialer Bewegungen.
— Gregor Hackmack, Deutschland-Chef von Change.org, erklärt das Prinzip der schrittweisen Mobilisierung bis zur Klage

Petition, Unterschriftenzähler und Kommentare in Echtzeit: www.change.org/ceta-klage

Link zur Klage-Vollmacht: www.change.org/CETA-Vollmacht

Link zur Spendenseite: www.change.org/ceta-spenden

Schon morgen fährt Marianne Grimmenstein erneut nach Karlsruhe, um die Verhandlung ihrer Bürgerklage vor dem 2. Senat des Bundesverfassungsgericht zu verfolgen. Schreiben Sie ihr jetzt gute Wünsche in die Kommentare.

Berlinwahl-Ticker: Pferdekutschen

Julia Maier bleibt dran. Die 29-jährige Hotelfachfrau hat ein Ziel: sie möchte die Tierquälerei durch Pferdekutschen in Berlin beenden. 75.000 Menschen konnte Julia schon für die Berliner Pferde mobilisieren - jetzt macht sie ihr Anliegen zum Wahlkampfthema im Berliner Abgeordnetenhaus.

In Kooperation mit dem Umfrage-Institut Civey wollen wir herausfinden, wie Sie, die Wählerinnen und Wähler, über ein Verbot von Pferdekutschen denken. Stimmen Sie ab und registrieren Sie sich, damit Ihre Stimme gezählt werden kann.*

Wir dürfen eine “Tradition” nicht hinnehmen, die sich durch Tierqual finanziert!

Julia Maier hat Ende April eine Change.org-Kampagne gestartet, die ein endgültiges Pferdekutschenverbot in Berlin fordert: „Als ehemalige Reiterin sehe ich es als meine Pflicht, mich für diese höchst sensiblen Tiere ganz besonders einzusetzen.”

Sie löste damit eine Berlin-weite Debatte aus. Der Tagesspiegel kommentierte jüngst: „Seit Ende April gibt es nun [...] eine Onlinepetition gegen die Berliner City-Kutschen, unterschrieben von mehr als 72 000 Menschen. Ein Glück, denn von alleine kommt darauf in der Berliner Verwaltung offenbar niemand.”

Die Petition fordert die Abschaffung der Praxis von allen Bürgermeisterkandidaten der Berliner Abgeordnetenhauswahlen. Von den Spitzenkandidat/innen äußerte sich nun als erstes Klaus Lederer, Vorsitzender der LINKE.Berlin: „[...] 
hinsichtlich der Genehmigung von Pferdekutschen in der Berliner Innenstadt vertreten wir die Auffassung, dass eine tierschutzgerechte Ausübung dieses Gewerbes im innerstädtischen Bereich nicht realisierbar ist, da die Tiere überwiegend auf Asphalt laufen und stehen und es keine angemessene Unterbringung zu den Pausenzeiten erfolgen kann. Die Tiere sind zudem viel Stress durch Lärm und Menschenmassen ausgesetzt." Lesen Sie die ganze Antwort hier.

Für ihren Aufruf argumentiert die Pferdekennerin mit der hohen Verletzungsgefahr für Mensch und Tier. In der Vergangenheit sei es unter den Pferden sogar zu Todesfällen gekommen. In Berlin könne jeder Zeuge werden von der „unsagbaren, stillen Qual, die diese Tiere für Berlins Touristen erleiden müssen".

In den vergangenen Monaten hatten diverse politische Entscheidungsträger Berlins ihre Zuständigkeit bestritten und einander die Verantwortung zugespielt, u.a. Andreas Geisel, Berliner Senator für Verkehr und Bauen sowie Berlin-Mittes Bezirksstadtrat Carsten Spallek.

Auch an den Petitionsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses hatte sich Julia parallel gewandt. Eine Antwort steht nach mehreren Monaten noch immer aus.

Einladung zum Wahldialog

Bis zur Berliner Abgeordnetenhauswahl am 18. September möchte Julia daher konkrete Stellungnahmen von allen Spitzenkandidat*innen für das Bürgermeisteramt erhalten.

Sie haben Fragen zur Berliner Abgeordnetenhauswahl 2016 auf Change.org: Schreiben Sie eine E-Mail an jgusko [ät] change [Punkt] org.

PS: Sie können jede Change.org-Petition nun auch online einbetten. Mehr Informationen finden Sie unter www.change.org/einbetten.

Abstimmen kann bei der Umfrage jeder. Doch für die repräsentative Berechnung ist es wichtig, dass Sie sich anmelden. Dazu erfasst Civey Geburtsjahr, Geschlecht, Nationalität und Postleitzahl. Direkt nach der Anmeldung können Sie dann sehen, wie die Wählerinnen und Wähler über ein Verbot von Pferdekutschen denken. Sind sie dafür oder dagegen? Und wie zuverlässig bzw. repräsentativ ist dieses Ergebnis? Weitere Infos und Antworten auf https://civey.com.

Blogpost in Kooperation mit

Berlin, wie hast du's mit der Kultur?

Berlin eilt der Mythos voraus - eine Stadt ohne Sperrstunde, wo Techno auf Oper trifft, wo sich Hinterhofkinos tummeln, man am Ku'Damm Katja Riemann spielen sieht und selbst Computerspiele ein Museum haben.

Sie wollen, dass Kulturthemen während des Wahlkampfs zur Sprache kommen? Hier lang.

Kein Wunder, dass Berlinerinnen und Berlin ihre Kultur am Herzen liegt. Die Szene ist in stetem Umbruch - nicht zuletzt durch Entscheidungen der Kulturpolitik oder die steigenden Mieten. Viele Petitionsstarterinnen und -starter wollen ihre bestehenden Lieblingsorte bewahren oder Raum schaffen für neue Projekte:

Die KuDamm-Bühnen schreiben seit 60 Jahren Berliner Kulturgeschichte. Nun stehen sie unter Druck: Ein Investor möchte beide Theater abreißen lassen:

Ganz Berlin und CSI-Fans kennen seine kruden Geschichten: Der Forensiker Mark Benecke erklärt humorvoll und gruselig wie der menschliche Körper funktioniert - auch nach dem Tod. Derzeit unterstützt er eine Kampagne für den Erhalt des Menschenmuseums (das von Gunter von Hagen mit den plastinierten Leichen) in Berlin:

Kommt es jetzt oder kommt es nicht? Seit Monaten protestieren die Anwohnerinnen und Anwohner des Treptower Parks gegen die Ausrichtung des Musikfestivals “Lollapalooza” am 10. und 11. September. Sie befürchten, dass zehntausende geplante Gäste den gerade aufgepäppelten Park wieder zerstören. Auch die russische Politik schaltete sich ein: Gitarrenriffs vor dem Kriegerdenkmal - unvorstellbar. Entscheiden Sie selbst:

Immer wieder setzen sich die Bewohner/innen dieser Stadt erfolgreich für ihre Lieblingsorte und Events ein. Egal ob es dabei um das Café Leo, ein Büdchen auf dem Leopoldplatz mit kultureller Bedeutung für den ganzen Kiez im Wedding oder um die Rettung des Karnevals der Kulturen geht. Mit ihren Kampagnen zeigen die Berlinerinnen und Berliner, dass Veränderung möglich ist.

Wie geht es Ihrer liebsten Kulturstätte? An alle Kulturfans: Starten Sie jetzt Ihre eigene Kampagne und treten Sie während des Wahlkampfs an die Kandidat/innen der Parteien heran.

Berlin hat die Wahl

Am 18. September 2016 haben die Berlinerinnen und Berliner die Wahl: sie entscheiden, wer sie in den kommenden fünf Jahren im Abgeordnetenhaus vertritt.

Zur Wahl launcht Change.org eine Bewegungsseite für alle Kampagnen mit Berlin-Bezug, die sich an die Spitzenkandidatinnen und -kandidaten richten oder wahlbezogene Themen aufgreifen.

So sieht sie aus: die Wahl in Berlin auf Change.org

Die Seite zeigt, welche Fragen die Hauptstädterinnen und Hauptstädter wirklich interessieren. Wir stellen hier im Blog in den kommenden Wochen immer wieder Geschichten hinter den Kampagnen vor, visualisieren die wichtigsten Trends und berichten über Reaktionen während des Wahlkampfs.

Schon jetzt haben die Berlinerinnen und Berliner dutzende Kampagnen mit wahlrelevanten Themen gestartet und insgesamt knapp 300.000 Unterschriften gesammelt, um ihnen wichtige Anliegen auf die politische Agenda zu heben. Forderungen reichen vom Erhalt der stadtprägenden Spätis über die Zukunft der Rummelsburger Bucht hin zu einer fahrradfreundlichen Stadt:

Politikerinnen und Politiker werden aufmerksam: so antwortet der Bundesrat seit Jahren auf an ihn gerichtete Petitionen, Vizekanzler Sigmar Gabriel richtete sich letztens mit einer Videobotschaft an über 100.000 Zeichnerinnen und Zeichner einer Kampagne. Auch die Berliner Bäderbetriebe reagierten. So wird ein Dialog zwischen Wählerinnen und Wählern sowie Entscheidungsträgerinnen und -trägern möglich.

Alle Spitzenkandidat/innen, welche Aussicht auf das Amt des Regierenden Bürgermeisters haben, können in den kommenden 5 Wochen über ihr Profil auf Vorschläge aus der Bevölkerung reagieren:

Michael Müller (SPD) 

Frank Henkel (CDU)

Ramona Pop (Grüne)

Klaus Lederer (Linke)

Die 4 Spitzenkandidat/innen mit Chancen auf das höchste Amt Berlins

Ihre Antworten sind dann auf der Petitionsseite sichtbar und werden per E-Mail an alle Zeichnerinnen und Zeichner einer Kampagne verschickt. Es ist die ideale Möglichkeit, zielgerichtet Wählergruppen zu bestimmten Themen mit der politischen Botschaft zu erreichen.

Sie haben Fragen zur Berliner Abgeordnetenhauswahl 2016 auf Change.org: Schreiben Sie eine E-Mail an jgusko [ät] change [Punkt] org.

PS: Sie können jede Change.org-Petition nun auch online einbetten. Mehr Informationen finden Sie unter www.change.org/einbetten.

Loveparade-Katastrophe: Warum Angehörige für einen Strafprozess kämpfen

Er starb im Gedränge an der Rampe, die zum Loveparade-Gelände führte. Mein Sohn Christian wollte einen schönen Tag mit Freunden verbringen und dann war er tot.
— Gabi Müller, Mutter von Christian, einem der 21 Toten beim Loveparade-Unglück 2010

Video: „Das muss doch aufgeklärt werden."

Sechs Jahre nach der Loveparade-Katastrophe fordern Hinterbliebene und Betroffene der Massenpanik einen, aus ihrer Sicht, überfälligen Strafprozess. Mit 362.834 Unterschriften in der Hand reisten die Familienmitglieder der Toten und Betroffene diesen Montag zum Oberlandesgericht Düsseldorf. Die Initiatoren aus Deutschland, Italien und Spanien reichten ihre Change.org-Petition beim Gericht ein.

Die Übergabe der 362.834 Unterschriften.

Am 24. Juli 2010 kam es zu einer Massenpanik beim Techno-Festival in Duisburg. 21 Menschen kamen ums Leben. Mehr als 600 Besucherinnen und Besucher wurden verletzt. Viele leiden bis heute unter den Folgen des Unglücks.

Die Unterschriftenübergabe beim Oberlandesgericht Düsseldorf ist der bisher wichtigste Tag einer langen, intensiven Kampagne. Initiiert wurde die Petition von Gabi Müller. Die Frisörin aus Hamm kommt nicht zur Ruhe. Ihr Sohn Christian, ein Hotelfachmann, der 2010 gerade dabei war, sein Abitur zu machen, starb im Gedränge hinter dem Tunnel.

Sie sagt heute, sie hatte schon immer eine ganz besondere Beziehung zu ihrem Sohn. Auch nach seinem Tod schicke er ihr immer wieder Zeichen. Als sie am 6. Jahrestag mit dem Auto zur Gedenkstätte fuhr, erklang sein Lieblingslied im Autoradio. Bis heute sucht sie den alten Güterbahnhof in Duisburg auf, um Christian gemeinsam mit seinen Freunden zu gedenken.

Video: „Gerechtigkeit für unseren Sohn!” 

Seit sechs Jahren suchen die Familien Antworten, hoffen auf Gerechtigkeit für ihre toten Kinder. Kurz nach der Katastrophe versprechen Politiker “lückenlose Aufklärung”, dann laufen über sechs Jahre Ermittlungen. Ein Gutachter und Panikforscher aus Großbritannien wird beauftragt. Doch Anfang April dieses Jahres dann der Schock: Das Gutachten soll schwere Mängel haben. Nach einem Beschluss des Duisburger Landgerichts soll es daher keinen Strafprozess geben. Die Anklage wird nicht zur Hauptverhandlung zugelassen. Die Begründung der Richter: Mangel an Beweisen. Dies ist einer der Momente, der für die Angehörigen kaum in Worte zu fassen ist: „Es ist, als sei mein Sohn noch einmal gestorben,” sagt Gabi Müller. 

Sie erklärt im Video, was sie selbst in diesen Momenten weitermachen lässt:

Video: „Wenn es mir schlecht geht, lese ich die Kommentare der Zeichner.” 

Frau Müller möchte unbedingt einen Strafprozess erwirken, weil es noch so viele Lücken gibt. Nur in einem Strafprozess, nicht in einem Zivilprozess, werden alle Akten geöffnet und Beweise vorgetragen. Es ist die letzte Chance für die Hinterbliebenen, Antworten auf ihre drängendsten Fragen zu erhalten: Was ist die Wahrheit? Was ist Minute für Minute am schicksalshaften Sommertag im Juli 2010 geschehen? Was sind die Hintergründe der Tragödie? Auch spanische und italienische Angehörige der Opfer sind zur Unterschriftenübergabe angereist. Francisco Zapater und Nadia Zanacchi führen die Kampagne in ihren Heimatländern. Ihre Töchter sind damals ebenfalls im Gedränge ums Leben gekommen. Gemeinsam kämpfen sie dafür, dass der Prozess gegen die Verantwortlichen der Love-Parade eröffnet wird. 

Entgegengenommen wurden die Unterschriften von der Verwaltung des Gerichts. Der Pressesprecher Andreas Vitek sagte: „Wie auch die anwaltlichen Vertreter der Hinterbliebenen zum Ausdruck gebracht haben, kann und wird der zuständige Senat unabhängig von der Petition ausschließlich nach Recht und Gesetz über die Beschwerde entscheiden."

Das Medienecho am Tag der Übergabe ist groß, Medienvertreterinnen und -vertreter sind vor Ort und wollen mit den Hinterbliebenen sprechen.

Screenshot: Tagesschau

Es ist ihr anzusehen, dass es für Gabi Müller kein einfacher Weg bis hierher war. Aber der große Zuspruch der Petitionsunterzeichnerinnen und -zeichner auf Change.org habe sie sehr gestärkt. All das konnte sie sich anfangs selbst nicht vorstellen:

Video: „Danke, ich bin überwältigt.” 

Nun muss in den kommenden Monaten das Oberlandesgericht Düsseldorf entscheiden. Gabi Müller und die anderen Angehörigen haben eine Botschaft an Menschen, die in einer ähnlichen Situation stecken:

Video: „Man muss sich wehren. Ich hatte auch Angst, aber es bewirkt Positives, wenn man kämpft."

Hier könnt Ihr Euch die gesamte Übergabe noch einmal anschauen:

Für weitere Informationen über diese Kampagne klickt hier oder schickt eine E-Mail an jgusko [ät] change [Punkt] org.

PS: Change.org-Petitionen können jetzt eingebettet werden. Jede Nennung einer Kampagne kann jetzt mit einem Bild begleitet werden (so wie Sie Tweets zu einem Thema in einem Artikel einbetten können). Wie das genau geht erfahren Sie in unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung hier.

Warum Online-Petitionen (doch) etwas bewegen

Dies ist eine Replik auf einen Artikel von Thomas Moßberger auf Focus Online. Nach der Brexit-Entscheidung schrieb er, dass Online-Petitionen nutzlos seien. Unser Campaigner Sebastian Schütz hält dagegen.

Die Petitionen zur Entscheidung der Mehrheit der britischen Bevölkerung, die EU zu verlassen, sind in aller Munde. Über 4 Millionen Menschen zeichneten eine Petition auf der Seite der britischen Regierung, das Referendum zu wiederholen. Über 400 Kampagnen wurden auf Change.org im Nachgang der Entscheidung gestartet - mit Forderungen zur Herabsetzung des Wahlalters auf 16 oder für ein Zeichen gegen den nun vielerorts emportretenden Rassismus - gestartet von einer jungen Muslima.

Zugang zu Beteiligung zu haben ist ein Wert an sich in unserer Demokratie

Millionen Menschen nutzen heute Kampagnen, um sich zu beteiligen - es sollte also nicht verwundern, dass ein solch historischer Einschnitt wie der Brexit zu mehr bürgerlichem Engagement führt. Als Beteiligungsform haben sich Online-Petitionen etabliert. Sie sind das effektivste Mobilisierungsinstrument für jede und jeden, um sich gesellschaftlich zu organisieren. Einfachen Zugang zu Beteiligung zu haben ist ein Wert an sich in unserer Demokratie. Und Online-Kampagnen zu starten ist erst einmal einfach. Aber nur auf den ersten Blick: Wie bei jedem Instrument kommt es darauf an, was man mit ihm macht.

Die Unterschrift unter Online-Petitionen ist immer nur der erste Schritt einer Kampagne - ein Anfang nicht ihr Ende. Online-Petitionen deshalb anderen Protestformen gegenüberzustellen ist daher nicht sinnvoll, denn sie gehen häufig Hand in Hand. Gerade Zeichnerinnen und Zeichner der Kampagnen werden bei nächsten Schritten aktiv, denn sie können aktiv hingewiesen und zur Teilnahme überzeugt werden.

Nehmen wir die Matrix der belgischen Forscher Jeroen van Laer und Peter van Aelstauf: Das Modell unterscheidet mehrere Aktionsformen nach ihrem Organisationsaufwand sowie der Gegenüberstellung online und offline.

Das Modell limitiert sich damit selbst: Es blendet aus, dass viele Aktionen im öffentlichen Raum heute online geplant werden.

Das möchte ich an 3 Beispielen erklären:

1. Email Bomb - Entscheidungsträger/innen erhalten in kurzer Zeit viele E-Mails von Bürgerinnen und Bürgern:

Die Oldenburgerin Ruth Bensmail sammelte mehrere zehntausend Unterschriften für die Einbürgerung des aus Afghanistan geflüchteten Martin Qassemi, den sie vor 8 Jahren wie einen Sohn in ihrer Familie aufgenommen hatte.

Die Behörden spielten die Zahl der Unterschriften herunter: „Schnell geklickt, ohne persönlichen Bezug.“ Daraufhin bat Ruth die Mitzeichner/innen persönliche E-Mails an den Oberbürgermeister der Stadt Oldenburg zu senden. Hunderte nahmen an der Aktion teil und schilderten, warum sie sich für Martin stark machen. Sie lieferten ferner Argumente für eine Ausnahmeregelung und posteten ihre Nachrichten an den Oberbürgermeister auch öffentlich, um andere zu inspirieren an der Aktion teilzunehmen. Ruth Bensmail wiederholte ähnliche Aktionen regelmäßig, um den Druck für ihre Forderung aufrechtzuerhalten. Sie organisierte eine Foto-Aktion und regelmäßige „Facebook Bombs” auf den Profilen verantwortlicher Politiker, um die bundesweite Unterstützung sichtbar zu machen.

2) Spenden, Website & ziviler Ungehorsam:

In der Praxis würden die von van Laer und van Aelst isoliert voneinander angelegten Aktionen aufeinander folgen wie ein Kreislauf.
Wer eine Demonstration vor dem Deutschen Bundestag organisieren oder Spenden für die Finanzierung einer Kampagne sammeln will, für den ist eine Gemeinschaft von Menschen, die ein Anliegen mittragen, Gold wert. Diese Gemeinschaft erst ermöglicht eine wirkungsvolle Mobilisierung. Wie das funktionieren kann, zeigt die Kampagne für ein „Recht auf Sparen und ein gutes #Teilhabegesetz“ von Constantin Grosch und Raul Krauthausen.

Über drei Jahre hinweg bauten sie diese Gemeinschaft über ihre Online-Petition auf. Mithilfe mehrerer dann aufgebauter Kampagnen-Seiten (teilhabegesetz.de, nichtmeingesetz.de) regen sie kontinuierlich die über 330.000 Unterstützer/innen zur Teilnahme an weiteren Aktionen an, versenden Pressemitteilungen und sammeln Spenden um die Kampagne zu finanzieren. Mittlerweile organisieren die beiden Aktivisten auf Twitter unter dem Hashtag #NichtMeinGesetz Aktionen, wie die Ankettung vor dem Bundestag, um gegen den aktuellen Entwurf zu protestieren. Über ihre Petition verbreitet sich der Protest rasant in den sozialen Netzwerken. Die Petition ist für die beiden somit zu einem reichweitenstarken Sprachrohr geworden.

3) Konsumentenverhalten:

Auch bei Kampagnen rund um Verbraucher-Themen sehen wir immer wieder, dass  unterschiedliche Strategien zusammenfließen. Die Petition der US-Amerikanerin Sarah Kavanagh wäre als reine Unterschriftensammlung vielleicht verhallt. Sie forderte den Sportgetränkehersteller Gatorade auf, in Zukunft auf bestimmte Chemikalien zu verzichten.

Als sie ihre über 200.000 Unterstützer/innen anschrieb, entsprechende Drinks zu prüfen und ggf. zu boykottieren, lenkte der Konzern ein. Sarah war kurze Zeit später mit ihrer Strategie auch bei Powerade erfolgreich.

Sich bei der Einschätzung der Wirkung einer Online-Petition allein auf die Unterschriftensammlung zu beschränken greift daher zu kurz. Es kommt vielmehr auf ein Zusammenwirken unterschiedlicher Protestformen an. Eine große Rolle spielen dabei die Menschen hinter einer Kampagne, ihre Kreativität und vor allem ihr Durchhaltevermögen. Selbst wenn Online-Petitionen länger brauchen, um zum Erfolg zu führen, bringen sie Menschen an den Verhandlungstisch, die sonst wahrscheinlich überhört würden und setzen Themen, die zuvor keine Rolle gespielt haben.

Dieser Debattenbeitrag erschien zuerst bei Focus Online.

So war die DLD Summer

Vergangene Woche waren wir auf der #DLDSummer. München ist neben Berlin die Stadt für soziales Unternehmertum in Deutschland.

Im Gepäck hatten wir den Impuls „How to Change.org the world" und einen vertiefenden Workshop „DIY – Change the world online".

3 Dinge sind mir wichtig, wenn wir über Online-Mobilisierung sprechen:

  1. Eine Unterschrift unter einer Change.org-Petition ist erst der Anfang einer Kampagne. Kampagnen entwickeln meist dann Wirkmächtigkeit, wenn sie eine Gemeinschaft hinter einem Thema versammeln - selbst für Nischenthemen.
  2. Eine Petition ist Schnittstelle zwischen Online und Offline. Am besten tritt man frühzeitig mit einem Entscheidungsträger in Kontakt und sucht den Dialog, z.B. bei einer Petitionsübergabe. Über Change.org-Kampagnen lassen sich gut medienwirksame Aktionen oder ziviler Ungehorsam organisieren, wie z.B. hier oder hier.
  3. Über Kooperationen wie PetitionPlus (mit abgeordnetenwatch.de) ist eine Petition auf Change.org direkter Kanal zu jedem einzelnen Abgeordneten im Wahlkreis.

Quelle: DLD Summer auf Flickr

Den späteren Workshop hielt ich zusammen mit unserem Campaigner Sebastian Schütz. Hier fokussierten wir vor allem darauf, wie jede und jeder sofort selbst eine Kampagne starten kann. 

Ziel des Workshops war es, dass das Publikum schnell in die Lage versetzt wird, eigene Kampagnen zu entwickeln. Dazu beantworteten Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgende 3 Fragen:

  • Was möchte ich genau erreichen?
  • Welche Geschichte möchte ich erzählen?
  • Welche Anlässe kann ich schaffen, damit meine Kampagne wahrgenommen wird?

Großes Interesse hat die vorgestellte Kampagne von Marianne Grimmenstein gegen das Handelsabkommen CETA geweckt. Die 68-jährige Musiklehrerin aus Lüdenscheid hat mithilfe ihrer Change.org-Petition Deutschlands größte Bürgerklage organisiert - und so mit viel Mühe über 70.000 formale Mitklägerinnen und Mitkläger (per Brief!) gewinnen können.

Frau Grimmensteins Kampagne sorgte für Erstaunen und Begeisterung im internationalen Publikum.

Auch die Aktivistinnen und Aktivisten hinter der Kampagne für ein gutes Teilhabegesetz / #nichtmeingesetz haben wir vorgestellt. Sie haben gezeigt, was möglich ist, wenn man Online- und Offline-Aktionen sinnvoll miteinander verknüpft:

Noch einige Eindrücke vom Workshop:

Bis zum nächsten Mal in München!

Liebesbriefe nach London: 50.000 Menschen wollen Briten zum Bleiben überreden

Über 50.000 Menschen haben vor dem Referendum über einen möglichen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union am morgigen Donnerstag eine etwas andere Change.org-Kampagne gezeichnet: Es ist ein Liebesbrief Europas an das Vereinigte Königreich:

Wir lieben so vieles an Euch: Von Euren Fußballclubs bis zur Pop Musik. Von britischem Bier bis zu Fish & Chips. Von Euren Errungenschaften bei Technik und Wirtschaft bis zu Eurer unverwechselbaren Literatur. Von Eurer demokratischen Debattenkultur bis zur Einmaligkeit Eurer Königin. Wir sind dankbar, dass Ihr seid, wer Ihr seid.
Wir sagen, wie es ist: Wir lieben euch.
#EuropeLovesUK

Initiator ist das Autoren-Duo Herr&Speer. In den vergangenen Tagen zeichneten zunehmend mehr Menschen aus ganz Europa gegen den #Brexit. Zudem nehmen dutzende Unterstützer aus Deutschland Smartphone-Videos mit ihrer Liebeserklärung an Großbritannien auf. Eine Auswahl:

Auch Erfolgsautorin J.K. Rowling, Remain-Befürworterin, teilte die Kampagne auf Twitter.

Die Kampagne gibt es in mehreren Sprachversionen: Deutsch, Englisch und Spanisch. Viele Nutzerinnen und Nutzer kommentieren das Referendum hier.

BILDTERMIN: Morgen früh, 23. Juni um 10 Uhr lassen die Initiatoren Herzballons vor der britischen Botschaft steigen und verlesen den Liebesbrief. Presseanfragen bitte an jgusko@change.org.

Studentin verhindert Abschiebung: ihre „zweite Familie” darf bleiben

Die ukrainische Flüchtlingsfamilie Nykonchuk darf vorerst in Bayern bleiben - über 70.000 Menschen setzen sich für sie ein und änderten ihr Schicksal. Was war passiert?

Im Mai 2015 kommt eine junge Familie aus dem ukrainischen Kriegsgebiet um Donezk in der Ukraine in die kleine, ländliche Gemeinde Rauhenebrach in Unterfranken. Die Masterstudentin der internationalen Wirtschaft Lena Schuster stammt aus Rauhenebrach und arbeitet ehrenamtlich als Deutschlehrerin für Flüchtlinge. Sie nimmt sich der Familie an: Sie bringt ihnen Deutsch bei, kommt häufiger abends vorbei zum gemeinsamen Kochen, möchte ihren Beitrag leisten, damit die Integration der Familie gelingen kann.

Idyllisch: Untersteinbach in Unterfranken 

Masterstudentin arbeitet ehrenamtlich als Deutschlehrerin für Flüchtlinge

Plötzlich heißt es, die Familie solle nach Spanien abgeschoben werden. Dies würde für die Familie Nykonchuk ein Leben zerstören, das sich für sie so hoffnungsvoll entwickelt hatte: Der Vater ist bereits für eine deutsche Baufirma tätig, die Mutter hat als Grafikdesignerin wichtige Qualifikationen für den Arbeitsmarkt. Auch die Töchter werden besser und besser in der Schule und finden neue Freunde.

Ich betreue viele Flüchtlinge, aber mein Herz ist bei dieser Familie, weil ich von Anfang an ihre Entwicklung gesehen habe.

Lena Schuster wird aktiv und startet eine Change.org-Petition für Vater Sergej, Mutter Lena und die Töchter Albina (17) und Ella (15). Die Idee kam ihnen beim abendlichen Zusammensitzen in der familiären Küche.

Unterstützung im Dorf und in ganz Deutschland

Lena möchte das Dorf mobilisieren als auch Menschen aus ganz Deutschland auf die Geschichte der Familie hinweisen. In den ersten zwei Tagen zeichnen 100 Menschen. Das Video verbreitet sich rasend schnell - innerhalb weniger Tage zeichnen über 10.000 Menschen.

Lokalzeitungen berichten

Beide Lokalzeitungen Mainpost und In Franken berichten (Die Nykonchuks bekommen die Artikel immer frisch vom Nachbarn).

Das knapp 700-Einwohner Dorf Untersteinbach in der Gemeinde Rauhenebrach steht auf dem Kopf: Die Flüchtlingsfamilie wird bekannter als manch ein Lokalpolitiker und bedankt sich für den ganzen Zuspruch, den sie in hunderten Kommentaren unter der Petition erfährt. Eine Auswahl:

Ich bin der Meinung, sobald sich jemand in Deutschland seinen Unterhalt selbständig erarbeiten kann sollte er auch ein Recht haben und die Chance bekommen in Frieden leben zu dürfen!!!! Love&Peace
Ich unterschreibe weil, ella und albina freunde von mir geworden sind und es schade wäre, sie nicht mehr zu sehen und unsere wöchentlichen bzw. täglichen UNO Spiele nicht mehr zu spielen.
Ich bin der Meinung wenn sich Menschen so gut einfügen und eine Gemeinde hinter sich stehen haben, spricht das für diese Familie und auch wenn ich diese nicht kenne, sollten sie eine Chance haben in Deutschland zu leben. Aus diesem Grunde unterschreibe ich.

Anfang November haben bereits 60.000 Menschen die Kampagne gezeichnet und die Frankfurter Rundschau berichtet über die Hintergründe der Flucht.

Hohe politische Unterstützung

Parallel wirbt Lena unermüdlich vor Ort um Unterstützung. Sergejs Arbeitgeber will nicht auf ihn verzichten - er stellt sich von Anfang an hinter den Helferkreis. Da Sergej durch die Abschiebung nicht mehr arbeiten kann, spenden Nachbarn der Familie, die örtliche Bäckerei sowie viele weitere Dorfbewohner Geld, um der Familie finanziell unter die Arme zu greifen.

Zahlreiche Zeichner melden sich mit weiteren Ideen und Kontakten zu politischen Amtsträgern.

Die meisten empfehlen die CSU-Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär als engagiert und verständnisvoll. Daraufhin ruft Lena das Büro von Frau Bär an, erklärt die Situation. Als die Abgeordnete zwei Wochen später einen Brief an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) schreibt, freut sich Lena sehr.

Dann passiert lange nichts. Die Nykonchuks sind unruhig - Bleibefrist über Bleibefrist läuft ab - sie können jederzeit abgeschoben werden. Aus der Ausländerbehörde Landratsamt Haßberge heißt es, der Fall werde bearbeitet. Auch das BAMF hält sich bedeckt, der Anwalt der Nykonchuks rät zur Geduld. Die Familie geht ins evangelische Kirchenasyl.

Ende Mai verdichten sich die Hinweise, dass die Familie bleiben darf. Als der Petitionsausschuss des Bundestages sich für ein Bleiberecht und ein Asylverfahren der Familie in Deutschland entscheidet, fällt allen ein Stein vom Herzen. Keiner hat die Hoffnung aufgegeben und das Kämpfen bis zum Schluss hat sich gelohnt, sagt Lena überglücklich.

Bundestag entscheidet für Bleiberecht und Asylverfahren für die Familie

Am 6. Juni hat die Familie endlich den Bleibebescheid in der Hand.
Wie es ihnen geht, seht Ihr hier:

Weitere Kampagnen, die sich um Abschiebung drehen, findet Ihr hier: www.change.org/abschiebung

Ihr wollt wie Lena Schuster selbst aktiv werden? Dann startet jetzt Eure eigene Kampagne: www.change.org/starten

Wie man Kampagnen überall einbetten kann

Change.org hat eine große Vision: Eine Welt, in der niemand mehr machtlos ist und Bürgerbeteiligung Teil des täglichen Lebens ist. Über eine Million Petitionen wurden auf Change.org erstellt und diese Petitionen wurden millionenfach geteilt von Menschen und Organisationen, überall im Netz und weltweit. 

Journalisten, Organisationen, Politiker/innen, Multiplikator/innen und Menschen, die diese Kampagnen starten oder zeichnen, haben uns mehrfach (und lautstark!) gesagt, dass sie Petitionen auf ihren Webseiten einbauen wollen, damit die Veränderungskraft hinter den Geschichten für ihre Leser/innen und Communities besser erfahrbar wird.

Ihr habt uns gefordert und wir liefern:

So sieht sie aus: Die eingebettete Kampagne

So sieht sie aus: Die eingebettete Kampagne

Alle können nun Kampagnen überall im Netz einbetten. Es geht sehr einfach und wir hoffen, dass Interessierte sich so noch besser in die Geschichten und Forderungen von Kampagnen hineinversetzen können.

Statt eine Kampagne zu verlinken kannst Du eine eingebettete „Kampagnenkarte” anzeigen lassen - wenn jemand klickt um mehr zu erfahren, dann öffnet sich die jeweilige Kampagne in einem neuen Tab.

Wir arbeiten gern mit weltweit führenden Journalistinnen und Journalisten sowie innovativen Organisationen. Wir sind stolz auf die Tatsache, dass über eine halbe Millionen Medienbeiträge über die Menschen, ihre Beteiligungswege, ihre Veränderungsmacht und ihre Erfolge erschienen sind, alles mithilfe unserer Plattform.

Wir hoffen, dass Ihr Kampagnen künftig einbetten werdet, Eure Hinweise zum Produkt mit uns teilt und uns auch künftig wissen lasst, was Ihr benötigt, um auch weiterhin die Welt zu verändern.

Wie du eine Kampagne auf Deiner Seite einbettest:

Eine eingebettete Kampagne zeigt alle wichtigen Details auf einen Blick:

  • Aufruf
  • Entscheidungsträger/in (wer petitiert wird)
  • Anzahl der Unterstützer/innen
  • Bild / Video
  • Vorschau

Kampagnen kann man auf zweierlei Art einbetten:

1. Einbetten, nachdem man die Kampagne gezeichnet hat

  • Nachdem Du eine Kampagne gezeichnet hast, wird Dir eine Seite zum Teilen der Kampagne angezeigt.

  • Klicke den Button „Diese Petition einbetten”.

  • Kopiere den Embed-Code in Deine Webseite, Dein Blog oder Dein Content-Management (Dein HTML).

2. Einbetten, ohne die Kampagne zu zeichnen

Fertig. :)
Hast Du Fragen oder Feedback? Kommentiere gern unter diesem Post.

Datenschutz entspricht unserem Selbstverständnis - Teil 2

Der Big Brother Award 2016 rüttelt an unserem Selbstverständnis als Bürgerrechtsplattform und wir möchten nach sorgfältiger Durchsicht der Begründung noch einmal ausführlicher Stellung nehmen. In der Laudatio wurde vieles vermischt, was nicht zusammengehört.  

Unsere Mission

Unsere Mission ist es, allen Menschen die Möglichkeit zu geben, sich für die Anliegen einzusetzen, die ihnen wichtig sind. Dabei geht es sowohl um Veränderungen im Leben eines einzelnen bis hin zu systemischen Veränderungen von weltweiten Herausforderungen. Engagement macht Lust auf mehr.  Wir sind der Überzeugung, dass Beteiligungsplattformen für alle zugänglich sein sollten, insbesondere für besonders benachteiligte Menschen. Je mehr Erfolge Menschen feiern, umso selbstbewusster und überzeugter werden sie, dass sie die Welt verändern können. Genau diesen Kulturwandel wollen wir erreichen. Bürgerengagement ist wie ein Muskel: Es muss trainiert werden. Wir wollen allen Stimmen in der Diskussion Gehör verschaffen. Das ist uns wichtig.

Kostenlose und gesponserte Kampagnen

Um gesellschaftliche Belange voranzubringen ist Change.org für Bürgerinnen und Bürger weltweit kostenlos. Das wird sich nicht ändern.

Unsere gesellschaftliche Mission steht gleichberechtigt neben unserem sozialunternehmerischen Anspruch, beide sind eng miteinander verknüpft. Unser Finanzierungsmodell ist einfach: Wir geben gemeinnützigen Organisationen die Möglichkeit, auf unserer Plattform mit potentiellen Unterstützern und Spendern in Kontakt zu treten - sogenannte gesponserte Kampagnen.

Eine gesponserte Kampagne wird pro vermitteltem Kontakt abgerechnet. Dabei werden Mehrfachnutzer unserer Plattform auf die Kampagnen von gemeinnützigen Organisationen über ein Banner aufmerksam gemacht. Der Nutzer entscheidet selbst, ob er die Petition a) unterzeichnen und b) das Einverständnis zur Weitergabe seiner E-Mail-Adresse an die Organisation geben möchte. Nur bei Zustimmung in jedem einzelnen Fall vermitteln wir die E-Mail-Adresse an die Organisation.

Personalisierte Zielgruppenansprache

Was wir nicht tun: Wir erheben, speichern und kombinieren keine Daten in der Fülle und Qualität, dass sie das politische Meinungsbild der Nutzer abbilden. Wir verfügen über keine Datenbank, in welcher ein Nutzer einer bestimmten politischen oder meinungsbasierten Targeting-Kategorie zugeordnet ist.

Was wir tun: Wir verfolgen und speichern Petitionen, die ein Nutzer gezeichnet hat. Wir tun dies a) um unseren Nutzern kontinuierlich in einem E-Mail-Newsletter Kampagnen mit ähnlichen Themen zum Zeichnen vorstellen zu können. Diese Art des E-Mail-Targetings findet in Echtzeit und für jeden Petitionsinhalt erneut statt - unabhängig vom einzelnen Nutzeraccount. Es werden beim Targeting auch nur kürzlich gezeichnete Petitionsthemen in Betracht gezogen. Wir tun dies b), damit Petitionsstarter während des gesamten Verlaufs ihrer Kampagne mit ihren Zeichnern datensicher über die Plattform in Kontakt treten können und sich so in Gemeinschaft organisieren können. Denn nur wenn sich Menschen zusammen tun, können sie die Welt verändern.

Datenspeicherung und Safe Harbour

Anders als andere US-Technologie-Plattformen ist unsere technische Architektur um Petitionsdaten organisiert, nicht um Nutzerdaten. Change.org wurde in den USA gegründet, daher stehen unsere Server in den USA.

Rechtliche Basis für die Erhebung von Nutzerdaten ist die Vertragsbeziehung zwischen uns und unseren Nutzern, die wir beim erstmaligen Zeichnen einer Petition und beim Anlegen eines Profils auf Change.org eingehen - per Zustimmung zu unseren Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien. Wir kümmern uns zuvorderst um die Sicherheit der Daten vor externen Zugriffen, indem wir extrem sichere Serverstrukturen benutzen.

Alle Nutzerprofile sind in Deutschland als “privat” voreingestellt. Auch kann über Suchmaschinen nicht herausgefunden werden, welche Petitionen bereits gezeichnet wurden.

In den USA wurde Safe Harbour immer als Qualitätssiegel gesehen. Für Change.org war es immer selbstverständlich, den Regeln dieses Qualitätssiegels zu folgen. Daher findet Safe Harbour weiterhin Erwähnung in unseren Datenschutzbestimmungen. Diese sind global verfasst und in allen 23 Ländern gleich, wo wir lokale Plattformversionen anbieten. Wir planen allerdings, die Datenschutzbestimmungen in Deutschland schnellstmöglich von der aktuellen weitgefassten Beschreibung zu einer konkreten lokalen zu adaptieren. Wenn das EU-U.S. Privacy-Shield-Abkommen in Kraft treten wird, werden wir selbstverständlich die notwendigen nächsten Schritte unternehmen.

Offene Plattform

Als offene Plattform ist es unsere Mission Menschen dabei zu unterstützen, sich für ihre Anliegen einzusetzen. Wir sind überzeugt, dass Offenheit für alle der beste Weg ist, unsere Mission zu erfüllen.

Das bedeutet, dass auf Change.org unterschiedliche soziale und politische Werte zu finden sind. Oftmals gibt es gleichzeitig verschiedene Petitionen, die dasselbe Problem aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten, manche unterstützend, manche ablehnend. Auch wenn nicht jeder allen auf Change.org gestarteten Petitionen zustimmt, haben die unterschiedlichen Stimmen doch einen positiven Effekt. Sie dienen dem Austausch zwischen den Menschen, sich mit den Argumenten und Erfahrungen des anderen auseinanderzusetzen, wodurch die eigene Idee und das Verständnis reifen kann.

Zum Beispiel führte die Debatte über die Satirefreiheit, die das Gedicht über den türkischen Präsidenten von Satiriker Jan Böhmermann ausgelöst hatte, zu einem Dutzend Petitionen: Über 240.000 forderten #freeboehmi, andere die Unterstützung von Präsident Erdogan, wieder andere die Abschaffung des Paragrafen 103 im Strafgesetzbuch gegen „Majestätsbeleidigung“.

Wir ermutigen unsere Nutzer, eine Gegenpetition zu starten, wenn ihnen bei einem Anliegen eine vielschichtige Auseinandersetzung fehlt. Ferner haben wir eindeutige Community Guidelines die darlegen, was erlaubt ist und was nicht, damit Change.org ein sicherer Ort für alle bleibt. Die Gemeinschaft unserer Nutzerinnen und Nutzer hat in der Vergangenheit bewiesen, dass das Modell funktioniert: 99,95% aller Petitionen sind in Übereinstimmung mit diesen Richtlinien.

Als Bürgerin oder Bürger stimmen wir nicht mit jeder Meinung in den Medien oder der unserer Freunde in Gesprächen über Politik überein. Wir sind fest überzeugt, dass im Laufe der Zeit mehr Beteiligung und Meinungsvielfalt die Gesellschaft stärkt, Demokratie integrativer macht und zu einer besseren politischen Entscheidungsfindung führt.

Wie geht es weiter?

Wir werden das fortsetzen, was wir am besten können: Menschen dabei unterstützen, einen positiven Einfluss auf die Welt zu nehmen. Wir helfen ihnen bei der Organisation rund um ihr Anliegen, für das sie sich engagieren, teilen ihre Geschichte und fördern einen fruchtbaren Dialog mit Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern.

Alle großen Petitionsplattformen in Deutschland werden hinsichtlich des Datenschutzes geprüft - so wie aktuell auch Change.org. In Deutschland findet das Bundesdatenschutzgesetz auf uns Anwendung. Selbstverständlich halten wir uns daran.

Wir haben bereits begonnen, die sich durch die EU-Datenschutz-Grundverordnung ergebenden Veränderungen zu evaluieren und arbeiten an der umfassenden Umsetzung vor Mai 2018.

Ferner testen wir im Moment neue Versionen des Registrierungsprozesses, bei denen die Verarbeitung der Nutzerdaten auf Change.org transparenter erklärt wird.

Wir halten Sie auf dem Laufenden!

Bis bald auf Change.org

PS: Haben Sie weitere Fragen? Dann wenden Sie sich an unsere Datenschutzbeauftragte Eve Chaurand unter privacy [ät] change.org.

Teil 1 dieses Blogposts vom 22.April findet ihr hier.

Datenschutz entspricht unserem Selbstverständnis

Die Verleihung des eigentlich renommierten Big Brother Awards an Change.org hat uns überrascht. Wir unterliegen in Deutschland deutschem Datenschutzrecht und haben selbstverständlich den Anspruch, uns jederzeit gesetzeskonform zu verhalten. Das entspricht unserem Selbstverständnis als Bürgerrechtsplattform.

Erst vor zwei Monaten haben mehr als 374.000 Change.org-Nutzerinnen und -Nutzer die Netzneutralität in Indien erfolgreich verteidigt. Auch in Deutschland mobilisieren Internetaktivisten zu Netzneutralität, gegen DSL-Drosselung, für die Blogger von Netzpolitik, für die Panoramafreiheit, zur “Free your data”-Kampagne und mehr. Doch dies ist nur ein kleiner Ausschnitt aller Anliegen aus der Zivilgesellschaft, zu denen sich Menschen auf Change.org engagieren.

Datenschutz entspricht unserem Selbstverständnis

Datenschutz entspricht unserem Selbstverständnis

Seit den Vorwürfen gegen Change.org des ehemaligen Datenschützers Thilo Weichert aus Schleswig-Holstein im letzten Jahr arbeiten wir eng mit Datenschutzexperten und der Berliner Datenschutzbeauftragten zusammen, um sicherzustellen, dass Change.org allen deutschen Datenschutzanforderungen genügt. Der Big Brother Award wurde, so heisst es in dem uns zugegangenen Schreiben, aus drei Gründen an uns verliehen: wie Change.org sich finanziert, wie Change.org verfasst ist und wo Change.org die Daten der Nutzerinnen und Nutzer speichert.

Wir wollen den Anlass nutzen, um unsere Arbeit noch besser zu erklären:

Wie finanziert sich Change.org?

Wir helfen gemeinnützigen Organisationen dabei, ihre Unterstützerschaft auszubauen. Sie können hierfür auf Change.org ihre Kampagnen mit einer kostenpflichtigen Anzeige bewerben und unsere Nutzerinnen und Nutzer um Unterstützung bitten. Gibt eine Nutzerin oder ein Nutzer das Einverständnis, dann - und nur dann - vermitteln wir die E-Mail-Adresse an die jeweilige Organisation. So können Nutzerinnen und Nutzer nicht nur Kampagnen von NGOs zeichnen, sondern zusätzlich weitere Informationen zu den Themen erhalten, die ihnen am Herzen liegen. Die Organisationen wiederum können Kontakte zu interessierten Unterstützerinnen und Unterstützern für ihre Arbeit knüpfen und ihre Community aufbauen. Auf diese Weise stärken wir Zivilgesellschaft. Zudem können Unterzeichnerinnen und Unterzeichner einzelne Kampagnen, die ihnen wichtig sind, in sogenannten Nutzeranzeigen mit jeweils bis zu 50 Euro bewerben.

Wie ist Change.org verfasst?

Change.org ist ein weltweites Sozialunternehmen und zertifizierte B-Corporation. Unsere Mission, Jedem und Jeder die Möglichkeit zu verschaffen, positiven sozialen Wandel anzustoßen, ist unserem unternehmerischen Anspruch gleichberechtigt und eng miteinander verknüpft. In Deutschland wäre dies vergleichbar mit der gemeinnützigen GmbH. Alle erwirtschafteten Gewinne werden dementsprechend in die Plattform investiert, um sie kostenlos allen Menschen weltweit zur Verfügung zu stellen. Niemand zieht Geld aus Change.org. Im Gegenteil, Change.org ist auch weiterhin auf soziale Investoren angewiesen, die an unsere Mission glauben und in die Stärkung der Zivilgesellschaft investieren wollen.

Change.org ist ein Sozialunternehmen und als solches als B Corp extern zertifiziert.

Change.org ist ein Sozialunternehmen und als solches als B Corp extern zertifiziert.

Wo speichert Change.org die Daten der Nutzerinnen und Nutzer?

Wir erheben so wenig Daten wie irgend möglich. Anders als auf anderen Plattformen braucht man auf Change.org lediglich eine gültige E-Mail-Adresse, um eine Kampagne zu unterstützen. Wir überprüfen weder den Vor- und Nachnamen unserer Nutzerinnen und Nutzer noch fragen wir die komplette Adresse, demographische Daten oder gar Zahlungs- und Bankdaten ab, denn wir sind nicht spendenfinanziert. Die Daten speichern wir zur Zeit tatsächlich in den USA, dem Gründungsland von Change.org. Wir unterstehen aber trotzdem deutschem Datenschutzgesetz. Wir sind eine globale Plattform mit Mitarbeitern in aktuell 23 Ländern. Die Kosten einer jeweils lokalen Speicherung der Daten würde uns aktuell schlicht überfordern.

Lesen Sie auch: "Datenschutz entspricht unserem Selbstverständnis, Teil 2"

Kürzliche Erfolge und weitere Informationen über uns auf einen Blick.

Change.org gründet gemeinnützige Stiftung

Wir freuen uns, bekannt zu geben, dass wir die Change.org-Stiftung ins Leben rufen, um sozialen Bewegungen die Möglichkeit zu geben, in die Startlöcher zu kommen und noch schneller zu wachsen. Unser Ziel ist es, noch mehr Menschen überall auf der Welt Gehör für ihre Anliegen zu verschaffen.

Soziale Bewegungen werden auf Change.org ins Leben gerufen - zunehmend von Menschen, die zuvor kein Sprachrohr und keine Lobby haben. Sie alle stehen für Themen, die unsere Zukunft mitbestimmen werden: moderne Sklaverei, Bildungschancen für Mädchen und Frauen oder der fehlende Zugang zur Demokratie.

Die Stiftung wird es uns ermöglichen, diese lebenswichtigen Schlüsselthemen wirkungsvoll und effektiv zu unterstützen: Ausbildung, Technologie und Vernetzung mit Organisationen, die sich mit diesen Bewegungen zusammentun.

Sara El-Amine,
neue Geschäftsführerin der Change.org-Stiftung

Wir sind begeistert, dass Sara El-Amin, derzeit Geschäftsführerin von „Organizing for Action", die neue Geschäftsführerin der Change.org-Foundation wird. Saras umfangreiches Wissen sowie ihre Erfahrung in der Ausbildung und Stärkung von Grassroots-Organisationen wird der Stiftung helfen, eine Brücke zu schlagen zwischen hilflosen Menschen und geballter Machtkonzentration, um einige der dringlichsten und grundsätzlichen Fragen unserer Zeit anzugehen.

Sara sagt: „Es ist eine unglaublich aufregende Rolle, in die ich schlüpfen werde. Ich hatte neun sehr spannende Jahre bei der Obama-Grassroots-Kampagne, in denen es darum ging, große Bürgerbewegungen in ihrem Kampf um Veränderung zum Erfolg zu verhelfen. Jetzt ist es Zeit, diese Erfahrung weiterzugeben, um den weltgrößten Inkubator zu bilden. Es ist eine aufregende Zeit: wir befinden uns an der Schnittstelle zwischen Technologie und gesellschaftlichem Wandel und Change.org ist die darin weltweit führende Plattform. Ich kann es nicht abwarten zu starten.“

Ben Rattray, Gründer und CEO von Change.org sagt: „Unser Ziel ist eine Welt, in der niemand mehr machtlos ist. Die Change.org-Stiftung wird hierzu beitragen. Wir wollen Bewegungen unterstützen, um kollektiv entrechtete Menschen zu befähigen, sich zu engagieren und um einige die größten Herausforderungen der Welt anzugehen. Sara hat die einzigartige Vision, die Erfahrung und das Talent diese Vorstellung Wirklichkeit werden zu lassen - und wir sind glücklich, dass diese neue Organisation von ihrem Wissen profitieren wird."

Überall auf der Welt haben oft diejenigen mit der geringsten Macht keinen Zugang zu den Netzwerken und Tools, die Veränderung möglich machen. Die Change.org-Stiftung wird dazu beitragen, diese Hindernisse zu überkommen. Durch Training und Bereitstellung von Equipment wollen wir unterstützen, Ungerechtigkeiten zu beenden und wirkungsvolle systemische Kampagnen in großem Umfang zu gewinnen.

Mitglieder und Spender online werben - 3 Fragen an Gregor Hackmack

Über „Massenmobilisierung per Mausklick" sprach Gregor, Deutschland-Chef von Change.org, bei einem Workshop von Nordlicht Management Consultants. Wie sich Online-Kampagnen auch besonders für die Mitglieder- und Spenderentwicklung von gemeinnützigen Organisationen eignen, erklärt er kurz und knapp in diesem Video. Für mehr Infos und Kontakt schreibt an Dorothee, unsere Leiterin für Non-Profit-Partnerschaften: organisationen@change.org.