25 Millionen Dollar für Bürgerbeteiligung

Replik auf den FAZ-Artikel von Ursula Scheer

von Ben Rattray, Gründer und CEO, Change.org

Ursula Scheer hat Recht, wenn sie über die wachsende Kraft von Change.org als einer Plattform spricht, welche Menschen die Möglichkeit gibt, sich in den Demokratien dieser Welt zu engagieren.

Gerade weil es uns wichtig ist, dass gesellschaftliche Veränderungen großflächig angestoßen werden, haben wir eine Organisationsform gewählt, welche es uns erlaubt, schnell zu wachsen.

Unsere Mission ist es, die weltweit besten Kampagneninstrumente jeder Bürgerin und jedem Bürger kostenfrei zur Verfügung zu stellen, damit sie mitreden können, wenn es um sie, ihre Familien oder ihr Lebensumfeld geht. Derzeit nutzen uns über 80 Millionen Menschen und es werden jeden Tag mehr. Auch die Zahl der Erfolge auf Change.org wächst. 

Change.org ist kein profitorientiertes Unternehmen, sondern ein extern zertifiziertes Sozialunternehmen oder auch B Corporation genannt. Unser Ziel ist ausdrücklich nicht Gewinnmaximierung. Alles Geld, das wir einnehmen, fließt in den weiteren Ausbau der Plattform. 

Wir bauen diese Online-Werkzeuge, damit benachteiligte Gruppen und Einzelpersonen an machtvolle Institutionen herantreten können, die ihr Leben maßgeblich beeinflussen. Ein Beispiel ist Laxmi, eine Frau aus Indien, die Opfer einer Säureattacke wurde. Sie überlebte und forderte mit einer Petition auf Change.org die indische Regierung auf, den Verkauf von Säure künftig zu regulieren - mit Erfolg.

Oder Ndumi Funda, deren Change.org-Petition die südafrikanische Regierung veranlasste, eine Kommission gegen die weit verbreitete Praxis der so genannten „korrigierenden Vergewaltigung” von lesbischen Frauen einzurichten.

Auch hier in Deutschland nutzen Menschen Change.org mit großem Erfolg: In den vergangenen Wochen haben wir erlebt, wie sich Hunderttausende solidarisch mit der getöteten Studentin Tugce A. erklären und posthum ihre Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz für ihre Zivilcourage mit einer Change.org-Petition fordern. Am Dienstag hat der Petitionsausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft den kranken Eltern von Kevin Nafar aus dem Iran eine Aufenthaltserlaubnis erteilt und das obwohl die Abschiebung zuvor schon beschlossene Sache war.

Unsere Investoren haben uns mit ihrem Geld den Rücken gestärkt, weil sie an unsere Mission glauben, so vielen Menschen wie möglich überall auf der Welt die Chance zu geben, sich für gesellschaftliche Veränderungen einzusetzen. Wir hatten millionenschwere Angebote von traditionellen Risikokapitalgebern, die wir abgelehnt haben. Wir wollen ausschließlich mit missionsgebundenen Investoren arbeiten, die überzeugt davon sind, dass Change.org unabhängig sein soll. Daher haben sie kein Mitspracherecht über die Inhalte auf der Seite und keine Kontrolle über die Führung der Organisation.

Wir versuchen uns an einer echten Innovation - dem Aufbau eines nachhaltigen Unternehmens mit einer starken gesellschaftlichen Mission. Dieses Investment zeigt, dass einige der größten Namen aus Technologie und Medien zustimmen, dass das Doppel aus nachhaltigem Unternehmertum und Gemeinwohl gelingen kann.

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Zum Hintergrund des aktuellen Investments sei auf diesen Artikel im Wall Street Journal Deutschland verwiesen.