Datenschutz entspricht unserem Selbstverständnis - Teil 2

Der Big Brother Award 2016 rüttelt an unserem Selbstverständnis als Bürgerrechtsplattform und wir möchten nach sorgfältiger Durchsicht der Begründung noch einmal ausführlicher Stellung nehmen. In der Laudatio wurde vieles vermischt, was nicht zusammengehört.  

Unsere Mission

Unsere Mission ist es, allen Menschen die Möglichkeit zu geben, sich für die Anliegen einzusetzen, die ihnen wichtig sind. Dabei geht es sowohl um Veränderungen im Leben eines einzelnen bis hin zu systemischen Veränderungen von weltweiten Herausforderungen. Engagement macht Lust auf mehr.  Wir sind der Überzeugung, dass Beteiligungsplattformen für alle zugänglich sein sollten, insbesondere für besonders benachteiligte Menschen. Je mehr Erfolge Menschen feiern, umso selbstbewusster und überzeugter werden sie, dass sie die Welt verändern können. Genau diesen Kulturwandel wollen wir erreichen. Bürgerengagement ist wie ein Muskel: Es muss trainiert werden. Wir wollen allen Stimmen in der Diskussion Gehör verschaffen. Das ist uns wichtig.

Kostenlose und gesponserte Kampagnen

Um gesellschaftliche Belange voranzubringen ist Change.org für Bürgerinnen und Bürger weltweit kostenlos. Das wird sich nicht ändern.

Unsere gesellschaftliche Mission steht gleichberechtigt neben unserem sozialunternehmerischen Anspruch, beide sind eng miteinander verknüpft. Unser Finanzierungsmodell ist einfach: Wir geben gemeinnützigen Organisationen die Möglichkeit, auf unserer Plattform mit potentiellen Unterstützern und Spendern in Kontakt zu treten - sogenannte gesponserte Kampagnen.

Eine gesponserte Kampagne wird pro vermitteltem Kontakt abgerechnet. Dabei werden Mehrfachnutzer unserer Plattform auf die Kampagnen von gemeinnützigen Organisationen über ein Banner aufmerksam gemacht. Der Nutzer entscheidet selbst, ob er die Petition a) unterzeichnen und b) das Einverständnis zur Weitergabe seiner E-Mail-Adresse an die Organisation geben möchte. Nur bei Zustimmung in jedem einzelnen Fall vermitteln wir die E-Mail-Adresse an die Organisation.

Personalisierte Zielgruppenansprache

Was wir nicht tun: Wir erheben, speichern und kombinieren keine Daten in der Fülle und Qualität, dass sie das politische Meinungsbild der Nutzer abbilden. Wir verfügen über keine Datenbank, in welcher ein Nutzer einer bestimmten politischen oder meinungsbasierten Targeting-Kategorie zugeordnet ist.

Was wir tun: Wir verfolgen und speichern Petitionen, die ein Nutzer gezeichnet hat. Wir tun dies a) um unseren Nutzern kontinuierlich in einem E-Mail-Newsletter Kampagnen mit ähnlichen Themen zum Zeichnen vorstellen zu können. Diese Art des E-Mail-Targetings findet in Echtzeit und für jeden Petitionsinhalt erneut statt - unabhängig vom einzelnen Nutzeraccount. Es werden beim Targeting auch nur kürzlich gezeichnete Petitionsthemen in Betracht gezogen. Wir tun dies b), damit Petitionsstarter während des gesamten Verlaufs ihrer Kampagne mit ihren Zeichnern datensicher über die Plattform in Kontakt treten können und sich so in Gemeinschaft organisieren können. Denn nur wenn sich Menschen zusammen tun, können sie die Welt verändern.

Datenspeicherung und Safe Harbour

Anders als andere US-Technologie-Plattformen ist unsere technische Architektur um Petitionsdaten organisiert, nicht um Nutzerdaten. Change.org wurde in den USA gegründet, daher stehen unsere Server in den USA.

Rechtliche Basis für die Erhebung von Nutzerdaten ist die Vertragsbeziehung zwischen uns und unseren Nutzern, die wir beim erstmaligen Zeichnen einer Petition und beim Anlegen eines Profils auf Change.org eingehen - per Zustimmung zu unseren Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien. Wir kümmern uns zuvorderst um die Sicherheit der Daten vor externen Zugriffen, indem wir extrem sichere Serverstrukturen benutzen.

Alle Nutzerprofile sind in Deutschland als “privat” voreingestellt. Auch kann über Suchmaschinen nicht herausgefunden werden, welche Petitionen bereits gezeichnet wurden.

In den USA wurde Safe Harbour immer als Qualitätssiegel gesehen. Für Change.org war es immer selbstverständlich, den Regeln dieses Qualitätssiegels zu folgen. Daher findet Safe Harbour weiterhin Erwähnung in unseren Datenschutzbestimmungen. Diese sind global verfasst und in allen 23 Ländern gleich, wo wir lokale Plattformversionen anbieten. Wir planen allerdings, die Datenschutzbestimmungen in Deutschland schnellstmöglich von der aktuellen weitgefassten Beschreibung zu einer konkreten lokalen zu adaptieren. Wenn das EU-U.S. Privacy-Shield-Abkommen in Kraft treten wird, werden wir selbstverständlich die notwendigen nächsten Schritte unternehmen.

Offene Plattform

Als offene Plattform ist es unsere Mission Menschen dabei zu unterstützen, sich für ihre Anliegen einzusetzen. Wir sind überzeugt, dass Offenheit für alle der beste Weg ist, unsere Mission zu erfüllen.

Das bedeutet, dass auf Change.org unterschiedliche soziale und politische Werte zu finden sind. Oftmals gibt es gleichzeitig verschiedene Petitionen, die dasselbe Problem aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten, manche unterstützend, manche ablehnend. Auch wenn nicht jeder allen auf Change.org gestarteten Petitionen zustimmt, haben die unterschiedlichen Stimmen doch einen positiven Effekt. Sie dienen dem Austausch zwischen den Menschen, sich mit den Argumenten und Erfahrungen des anderen auseinanderzusetzen, wodurch die eigene Idee und das Verständnis reifen kann.

Zum Beispiel führte die Debatte über die Satirefreiheit, die das Gedicht über den türkischen Präsidenten von Satiriker Jan Böhmermann ausgelöst hatte, zu einem Dutzend Petitionen: Über 240.000 forderten #freeboehmi, andere die Unterstützung von Präsident Erdogan, wieder andere die Abschaffung des Paragrafen 103 im Strafgesetzbuch gegen „Majestätsbeleidigung“.

Wir ermutigen unsere Nutzer, eine Gegenpetition zu starten, wenn ihnen bei einem Anliegen eine vielschichtige Auseinandersetzung fehlt. Ferner haben wir eindeutige Community Guidelines die darlegen, was erlaubt ist und was nicht, damit Change.org ein sicherer Ort für alle bleibt. Die Gemeinschaft unserer Nutzerinnen und Nutzer hat in der Vergangenheit bewiesen, dass das Modell funktioniert: 99,95% aller Petitionen sind in Übereinstimmung mit diesen Richtlinien.

Als Bürgerin oder Bürger stimmen wir nicht mit jeder Meinung in den Medien oder der unserer Freunde in Gesprächen über Politik überein. Wir sind fest überzeugt, dass im Laufe der Zeit mehr Beteiligung und Meinungsvielfalt die Gesellschaft stärkt, Demokratie integrativer macht und zu einer besseren politischen Entscheidungsfindung führt.

Wie geht es weiter?

Wir werden das fortsetzen, was wir am besten können: Menschen dabei unterstützen, einen positiven Einfluss auf die Welt zu nehmen. Wir helfen ihnen bei der Organisation rund um ihr Anliegen, für das sie sich engagieren, teilen ihre Geschichte und fördern einen fruchtbaren Dialog mit Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern.

Alle großen Petitionsplattformen in Deutschland werden hinsichtlich des Datenschutzes geprüft - so wie aktuell auch Change.org. In Deutschland findet das Bundesdatenschutzgesetz auf uns Anwendung. Selbstverständlich halten wir uns daran.

Wir haben bereits begonnen, die sich durch die EU-Datenschutz-Grundverordnung ergebenden Veränderungen zu evaluieren und arbeiten an der umfassenden Umsetzung vor Mai 2018.

Ferner testen wir im Moment neue Versionen des Registrierungsprozesses, bei denen die Verarbeitung der Nutzerdaten auf Change.org transparenter erklärt wird.

Wir halten Sie auf dem Laufenden!

Bis bald auf Change.org

PS: Haben Sie weitere Fragen? Dann wenden Sie sich an unsere Datenschutzbeauftragte Eve Chaurand unter privacy [ät] change.org.

Teil 1 dieses Blogposts vom 22.April findet ihr hier.