Warum man bei Change.org als “Max Mustermann” unterschreiben darf

Das BR-Team justiert seine Kamera in unserem Büro

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Letzte Woche erlebten wir auf unserer Plattform die am schnellsten wachsende Petition, die wir jemals auf Change.org gesehen haben. In nur wenigen Tagen stieg die Zahl der Unterschriften auf über zwei Millionen. Diese Petition versuchte, gegen etwas anzugehen, was viele als Ungerechtigkeit empfunden hatten - nämlich die Wertung des Eiskunstlaufs der Damen bei den Olympischen Winterspielen. Der Initiator oder die Initiatorin der Petition war anonym und nannte sich “Justice Seeker”.

Das passt zu einem Besuch den uns heute ein Team des Bayerischen Rundfunks abstattete. Natürlich haben wir uns über das Interesse an Change.org gefreut. Bei einem langen Gespräch über die neuen Möglichkeiten durch Online-Petitionen kam eine ähnliche Frage auf: Warum kann man bei Change.org mit Max Mustermann unterschreiben? Die Frage finden wir so wichtig, dass wir sie in einem Beitrag mit Euch diskutieren möchten.

Zunächst: Es stimmt. Man kann bei Change.org mit dem Namen “Max Mustermann” unterschreiben. Warum? Kümmert sich Change.org nicht darum, ob die Unterschriften auf den Petitionen korrekt sind? Die Antwort lautet: Es ist sogar eines unserer wichtigsten Anliegen.

Wir sind eine Plattform für Aktivisten, für Menschen, die etwas verändern wollen. Wir wollen, dass Menschen sich mit unserer Plattform für Menschenrechte oder für jedes andere Thema einsetzen können, das ihnen wichtig ist. Aber dabei respektieren wir die Wünsche unserer Nutzer zu ihrer Privatsphäre. Und ebenso wie man auf einer papiernen Unterschriftensammlung in der Fußgängerzone mit falschem Namen unterschreiben kann, so kann man das auch auf Change.org.

Natürlich ist die Zuverlässigkeit unserer Abstimmungsergebnisse eines unserer wichtigsten Anliegen. Aber ist diese Zuverlässigkeit von “Max Mustermann” bedroht? Hier sind vier Gründe, warum wir “Max Mustermann” zulassen:

1. Wer Schutz braucht, braucht Schutz

Wir wünschen uns, dass alle mit ihrem echten Namen zu ihren Themen stehen können. Aber uns ist klar, dass das nicht immer leicht ist. Change.org gibt es in 196 Ländern der Welt. Nicht in allen Ländern der Welt kann man gefahrlos jedes politische Thema unterstützen. Und auch bei uns in Deutschland möchte man vielleicht auch z.B. nicht, dass bestimmte Dinge zum eigenen Arbeitgeber gelangen. Man kann auf Change.org auch komplett anonym unterschreiben.

Aber wenn jemand ein Pseudonym braucht, sind wir nicht diejenigen, die glauben, das besser zu wissen. Die Korrektheit unserer Abstimmungsergebnisse hat für uns oberste Priorität. Aber wir respektieren die Privatsphäre unserer Nutzer. 

2. Falsche Konten und Unterschriften entfernen wir

Wir sind nicht naiv. Wir wissen, dass es Menschen gibt, die – warum auch immer – das Ergebnis einer Petition verfälschen wollen. Wenn sich jemand mit einer Mailadresse registriert, die es nicht gibt, entfernen wir die jeweilige Unterschrift im Nachhinein.

3. Systematische Verfälschungen verhindern wir

Der Vorwurf hinter dem Vorwurf, dass man mit “Max Mustermann” unterschreiben kann lautet: Die Anzahl der Stimmen unter einer Petitionen könne man manipulieren. Das ist falsch. 

Es wäre ein Problem, wenn jemand tatsächlich böswillig die Zahl der Unterschriften unter einer Petition systematisch und massiv nach oben treiben möchte. Solche Versuche kommen selten vor, aber sie werden von uns bemerkt, unterbunden und das Abstimmungsergebnis korrigiert.

Wir haben eine ganze Reihe von technologischen Sicherheitsmaßnahmen und ein Team von Softwareingenieuren, die Muster in systematischen Verfälschungsversuchen erkennen und abstellen können.    

4. Es gibt Menschen, die heißen so

Bundesweit gibt es übrigens mindestens hundert Menschen, die mit Nachnamen Mustermann heißen. Einschließlich mindestens ein Max.

Wir möchten sicherstellen, dass alle Menschen sich erfolgreich und sicher für die Welt einsetzen können in der sie leben möchten. Alle. Auch die anonymen “Justice Seeker”. Auch die Mustermanns. 

Was denkt Ihr dazu?